Mittwoch, 9. Mai 2012
Unanständig, aber erlaubt
Um 7.15 Uhr weckt mich ein lautes Hämmern, 43 Minuten vor meinem Wecker. 30 Sekunden dauert das Hämmern an, dann arbeiten die Bauarbeiter an den meisten Tagen mehr oder weniger unhörbar weiter. Seit Jänner machen sie es fast täglich so. Was soll das heißen? "Wenigstens fangen wir pünktlich an?" oder "Wir haben so einen Hass auf die Welt, hör' mal!" oder "Rise and shine?" oder was?

Erlaubt ist das. Zwischen 6 Uhr früh und 22 Uhr kann jeder mit dem Presslufthammer, dem normalen Hammer, Bohrer oder was sonst noch Lärm macht, tun, was er will. Mittagsruhe gibt's gesetzlich auch nicht mehr, das in der Nacht Versäumte kann nicht mehr von 12 bis 14 Uhr nachgeholt werden.

Nur der Anstand würde gebieten, die 30 Sekunden Hämmern am Vorabend zu erledigen und die Nachbarn in der Früh in Ruhe zu lassen. Das Gesetz schützt mich und mein Schlafbedürfnis nicht. Ich erwarte diesen Anstand von den Bauarbeitern. Und bekomme ihn nicht. Ich erwarte Anstand übrigens auch von den Politikerinnen und Politikern - und bekomme ihn von den meisten auch nicht. So, und damit will ich überhaupt nicht sagen, dass wir mehr Gesetze brauchen. Ich will eine Lanze brechen für Rücksichtnahme, für Empathie, für vornehme Zurückhaltung, für Großzügigkeit gegenüber den Bedürfnissen von anderen. Kollektiv betrachtet würde das das Glücksgefühl in der Welt steigern. Subjektiv betrachtet würde es mir ersparen, mich als zunehmend schlecht gerüstet zu betrachten.
 
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Dienstag, 8. Mai 2012
Bundeshymne am 8. Mai
Heute habe ich zum ersten Mal bei einem Anlass die österreichische Bundeshymne gesungen. Es war ein Gottesdienst in Erinnerung an Österreichs Befreiung am 8. Mai 1945 im Stephansdom, eine Messe der katholischen Studentenverbindungen. Das wusste ich erst, als ich schon im Dom war. Und sofort, nachdem ich den Ersten in Couleur gesehen habe, lag ich auf der Lauer: Ein falsches Wort, und ich hätte mich aufgeregt. Innerlich hatte ich den Protestbrief an Schönborn und Faber schon aufgesetzt. Doch dann: nur richtige Worte - und sogar die Hymne schon mit dem neuen Töchter-Text.

"Niemals vergessen - 8. Mai 1945 - niemals missbrauchen - Der Versuch eines Gedenkens" war der Titel der Veranstaltung. Der Versuch ist für mich gelungen gewesen: Gedenken, das mich bewegt hat, Anerkennen all des Leids, das bis heute wirkt, kein Beschönigen, kein Leugnen, kein Opferspielen, wo's hierzulande vor allem Täter gab. Es war aber auch ein wirksamer Versuch, die Menschen in den Kirchenbänken innerlich zu stärken - für die Gegenwart, in der fast zeitgleich und nicht weit weg die rechtsextremen Burschenschafter den Jahrestag so diametral anders bewerteten. Und für die Zukunft, in der es für Frieden und Gerechtigkeit auf uns und unsere Stärke gegen "falsche Propheten" und ihr Geschäft ankommt. Seit 8. Mai 1945 ist Österreich wieder frei von der Naziherrschaft (leider nicht von den Nazis) - und die Bundeshymne hat so gut gepasst, wie ich mir zu Beginn der Messe gar nicht vorstellen konnte. Und wenn ich wieder mal Einen in Couleur sehe, dann muss ich wahrscheinlich genau hinschauen, damit ich nicht gleich in die Falle meiner Vorurteile hineintappe. Denn leider bin ich auch offenbar nicht davor gefeit, die, die einfach offenbar auf einer anderen Welle surfen, zuerst mal "verdächtig" zu finden.
 
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Dienstag, 9. Februar 2010
Das Geschäft mit der Angst
Ohne meinen fast bodenlangen Wintermantel, Daune, fast so teuer wie ein Nerz, könnte ich die eisigen Temperaturen, die mir seit Wochen das Rauchen auf der Straße verleiden, gar nicht aushalten. Den breiten Kragen zieh ich mir hoch bis über die Ohren. Und leider hinterlässt das feine Gesichtspuder, das den Teint so "frisch und samtig" macht, beige Spuren. Igitt.

Kürzlich habe ich deswegen die Nerven verloren. So ähnlich wie drei Wochen zuvor, als ich meine Frisur plötzlich nicht mehr aushielt, und mir einfach selbst die Haare abgeschnitten habe. Unüberlegt und nicht ganz gerade, aber eigentlich recht fesch. Beim Mantel war's keine Schere, sondern ein Microfasertuch und ein wenig Haarschampoo, mit denen ich den Puderspuren zu Leibe gerückt bin. Alles ist rausgegangen, der Mantel sieht wieder beinahe so teuer aus wie er war. Und das Geld für die Putzerei habe ich gespart. Und vor allem die langen eisfrostigen Tage, an denen ich mit schlechtem Ersatz bei Außeneinsätzen frieren muss. Ohne meine Kurzschlusshandlung hätte ich mich nie getraut, den Mantel selbst zu säubern. Was, wenn was schiefgeht? Lieber in die Reinigung bringen! Kein Wunder, dass die gut verdienen beim "Geschäft mit der Angst".
 
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Sonntag, 7. Februar 2010
Fusion
In der Ausstellung Gender Check im MuMok habe ich kürzlich dieses Video entdeckt. Ein tolles Fusion-Stück aus Bosnien.



 
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Freitag, 25. September 2009
Aus dem FF: Fotos und Frisur ...
Fast so lange aufgeschoben wie hier mal wieder was neues reinzuposten: Professionelle Fotos von mir für professionelle Zwecke machen zu lassen.

Für mich fühlt sich "zum Fotografen gehen" beinahe so an wie "zum Friseur gehen". Beide haben es in der Hand, wie man dann aussieht. Da kann's bei mir nicht irgendwer sein. Es muss jemand sein, der genau versteht, welches Ergebnis ich will und mich dann auch dorthin bringt. So einen habe ich gefunden: Die Fotos hat Alexander Chitzasan gemacht.
Den Namen des Friseurs gibt's auf Anfrage ;-).








 
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Freitag, 12. Juni 2009
Spitzenstadt: Istanbul
Vier Tage Istanbul mit Freundin T. - und ich frage mich, ob ich eine schönere Stadt kenne. Ich glaub's nicht. Das Meer, das Istanbul quert, ist schon mal ein echter Bonus: Azurblau ist die Stadt umspült. Schiffe kreuzen und werfen weiße Gischt. An den Ufern grünen die Büsche und die Häuser leuchten weiß. Und überall sitzen wie hübsche, zufriedene Kröten die Moscheen von Sinan und seinen Schülern.

Wenn man in Istanbul herumgeht, präsentiert sich die Stadt nach fast jeder Häuserecke in einer neuen Perspektive und sieht immer wieder anders aus. Sie changiert wie ein edler Stoff. Wenn man schon zahlreiche Häuserecken zurückgelegt hat, gelangt man zudem von einer Welt in die nächste: Die Istiklal-Straße in Taksim hat ein Flair, von dem die Mariahilfer Straße nur träumen kann. Ein stückweit nordöstlich könnte auch Paris sein oder Madrid, vorausgesetzt wir sprechen von einem vornehmen Viertel dort. Dann wieder gibt es Gegenden, wo die Tradition vorherrscht und mit ca einem Kilometer Brautmodengeschäften klar wird, wo die Werte liegen.

Dazwischen gestreut Sehenswürdigkeiten, die echt sehenswürdig sind: Die Sultanahmed-Moschee, das Yerebatan-Serail (die unterirdische Basilika), die Sülemaniy, die Mihrimah-Moschee (beide wegen Renovierung geschlossen), der Galataturm, die Kariye-Cami mit den tollen Mosaiken, der Topkapi-Palast mit unzähligen Schätzen und dem Harem und der hinreißenden Aussicht von der Cafe-Terasse aus und-so-weiter.

Noch dichter dazwischen gestreut die zahllosen Möglichkeiten, wirklich hervorragend zu essen: In den Lokantas zeigt man einfach auf die Töpfe, in denen köstliche Schmorgerichte schmurgeln, oder auf die Spieße. In den Muhallabiyes, den Konditoreien, kann man sich zwischen den verschiedenen Puddings, Torten und aufwändigem Kleingebäck kaum entscheiden. Dazu ein türkischer Kaffee, damit man das ehrgeizige Programm auch durchhalten kann.

Am besten hat es T. und mir im Restorant Hamdi in Eminönü beim Ägyptischen Basar geschmeckt: Faschierte Lammspießchen mit gehackten Pistazien hatte ich. T. ein Shish Kebab, "das mit dem (uns bekannten Wiener türkischen Restaurant) aber auch wirklich gar nichts zu tun hat". Dazu eine atemberaubende Aussicht auf die Sülemaniye in die eine Richtung, die Yeni Cami und die Bosphorusbrücke in die andere Richtung und in der Mitte auf den beleuchteten Galata-Turm. Die Kellner waren so freundlich, dass es sogar für Istanbul ungewöhnlich war, wo die Menschen auffallend höflich und freundlich sind.

Ein bisschen anstrengend ist es höchstens im Basar, dem wunderbaren überdachten Basar. Dort durchzuschlendern, ist deswegen etwas mühsam, weil die Händler versuchen, einen in ihre Verkaufsstände zu ziehen. Uns ist die Lust aufs Shoppen dort vergangen ... Aber die Struktur ist einfach extrem schön. Gekauft habe ich dann doch etwas, allerdings nicht im Basar, sondern in einem kleinen Teppichgeschäft im Stadtviertel Sultanahmet, das ich sehr empfehlen kann (freundlicher, zurückhaltender, kompetenter Händler): "Kurtoglu" in einer Seitengasse zur großen Straße, wo die Tram durchfährt.

Das sind die Polster in ihrer neuen Heimat:




Ich könnte natürlich noch ewig schwärmen von Istanbul, z.B. auch vom Hammam (wir waren im rundumsanierten Cemberlitas, das Sinan erbaut hat: herrlich!!!), beschränke mich jetzt aber doch auf noch einen Aspekt: Istanbul ist sehr reich an außergewöhnlichen öffentlichen Verkehrsmitteln. Neben der Tünel-Bahn, der ältesten Standseilbahn der Welt, die auch die kürzeste U-Bahn der Welt ist, und der historischen Tram, die sich gemählich ihren durch das Gewühl auf der Istiklal bahnt, und den Schiffen, die zwischen Europa und Asien hin- und herfahren, gibt es Teleferik. Eine Seilbahn, die ein Tal (gefüllt mit einem Park) überbrückt, in der wir die einzigen Touristen waren.



Achja, und manches, das fremd ist, wirkt skurril. Wie zum Beispiel das Schild auf der Flughafen-Toilette, das zum Wassersparen anregt. Hat was Paradoxes, oder?


 
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Freitag, 17. April 2009
Was schön ist: Frühlingsblüten

(Rufling, Ostern 2009)


 
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Montag, 23. März 2009
Nachtrag zum Verkleiden
Mit Photofunia kann man sich neuerdings verkleiden, ohne das Sofa zu verlassen und ohne sich großartig zu bewegen. Die Application pastet mit Gesichtserkennung jedes Bild in verschiedenste Hintergründe (z.B. auf ein Billboard, ein Zeitschriftencover).
 
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Sonntag, 15. Februar 2009
Quartalsbericht
Wenn man viel arbeitet, dann kann es leicht passieren, dass man nicht viel zu berichten hat. So geht's zumindest mir. Nicht unbedingt deswegen, weil das Leben ein Gefühl wie in "Groundhog Day" annimmt, sondern weil mein Mitteilungsbedürfnis dramatisch schrumpft, und ich gar keine Zeit habe, von all den Kleinigkeiten zu berichten, die ich so erlebe. So etwas wie ..., dass innerhalb weniger Tage die Krokusse und Hyazinthen in meinem Wohnzimmer erblüht sind, und mir das das Herz öffnet. Ich arbeite soviel, weil ich mich noch gut an den Tag Mitte Jänner erinnere, als ich auf dem Sofa saß und mit Freundin K. die bereits spürbaren Auswirkungen der Wirtschaftskrise diskutierte. Es war einer dieser Sonntage, an denen Winterschlaf eine tolle Option gewesen wäre. Doch dann kam der Montag und mit ihm ein Auftrag nach dem anderen. Das Wort "Wirtschaftskrise" schwebt(e) wie eine dunkle Nebelwolke über meinem Kopf, und ich nahm jeden Auftrag an. Atmen ging fast nur noch abends auf dem Sofa. Und doch gab es so dies und das, was ich erlebt habe, und solches und jenes, das ich hier gerne hingeschrieben hätte. Wie zum Beispiel:

Idealfigur:



20 Jahre lang habe ich mich nicht verkleidet. Und dann das: Als Stummfilmstar konnte ich wirklich punkten. Warum nicht öfter verkleiden?, dachte ich mir. Und dann wieder: War die Verkleidung wirklich so viel stärker als normalerweisen?

Ideallinie
Anfang Februar war ich ein paar Tage Ski fahren:



Viele Freunde, strahlender Sonnenschein, auf der Höhe griffiger Schnee, Föhn - und dadurch leider auch starker Wind und gegen das Tal hin feuchter schwerer Schnee. "Haxenbrecherschnee", habe ich bei mir gedacht, als ich die letzten drei Pisten hinuntergesaust bin.

"Hinuntergesaust" bin ich nur diese drei Pisten. Meine Leidenschaft fürs Skifahren trifft nicht gerade auf eine ausgeprägte Fähigkeit. Nach zwei Tagen teils unbeholfenen, oft zaghaften, wenn auch häufig glücklichen Bogerln auf schönen Hängen, treffe ich auf diese drei "Haxenbrecherpisten", und weil sie mir so zuwider sind, lass ich die Ski laufen. Sonst immer mit vornehmem Abstand Letzte im großen Freundeskreis, bin ich ausgerechnet auf diesen drei Hängen im Mittelfeld.

Beim Skifahren ist es, so denke ich mir jetzt, wie im echten Leben: Brust ins Tal (auch wenn die als Instinkt verkleidete Angst mich sonst immer mit dem Oberkörper Richtung Berg zwingt), nicht an die Angst denken, nicht daran denken, was alles passieren kann, und einfach laufen lassen. Kommt einem die Angst in die Quere, pickt der Ski auch schon in einem matschigen Schneehaufen. Der Fluss ist unterbrochen, mühsam muss man sich weiterrappeln. Ist doch wie in Wirklichkeit, oder etwa nicht? Rein theoretisch ist alles klar ...

Hier noch ein bissel Posing ...



 
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Freitag, 23. Januar 2009
Grüße aus der Vergangenheit
Kürzlich, es ist bestimmt nur wenige Wochen her, bringt mir meine Mutter ein paar riesige Schachteln mit "Zeug", das sie und meine Schwester K. aus K's Keller aussortiert haben, und von dem sie annehmen, dass es mir gehört. Ich habe das "Zeug" erstmal eine Zeit - direkt neben den Palmkatzerln, die noch von letzten Ostern in der Bodenvase im Vorzimmer stehen - abhängen lassen.

Und dann gestern, mit erstaunlichem Elan, die Kisten angepackt. Der Großteil (zumindest, was das Gewicht anlangt) war mein "Zettelkasten", den ich mir bei der "Presse" angelegt hatte. Früher gab's ja noch kein Internet, habe ich mich wieder erinnert. Da war es extrem clever, Informationen, die man vielleicht wieder mal verwursten könnte, abzulegen. Bin ich froh, dass es das Netz gibt. Googlen geht nämlich grad noch, aber Ablage war offenbar nie mein Thema. In der Mappe "Kirche" lagen Informationen über Empfängnisverhütung (und immerhin ein Foto von Papst Johannes Paul II), in der Mappe "Schönheit" eine kurze Abhandlung über die Haltung von Katharina von Medici zur Unterhose (ablehnend), in "Bahn 1" war gar nichts, in "Bahn 2" einige alte Post-Folder. Usw.

Alles nochmal geschwind durchgeschaut, das meiste weggeschmissen, ein paar Kalorien beim Rübertragen zum Müllraum verloren. Doch einen Teil werde ich mir immer behalten: Beispielsweise eine Mappe mit Kinderzeichnungen für Oma, ziemlich unbegabt gezeichnet und großteils mit religiösen Motiven. Und sicherlich meine alten Schulhefte (nur ein Stapel von etwa 5 Zentimetern hat's ins Jahr 2009 geschafft). Ein Aufsatzheft war dabei, und ich finde es wirklich schade, dass es nur eins ist. Denn da schreibe ich etwa mit knapp neun Jahren:

"Weil ich so einsam war, hatte ich drei kleine Figuren an die Wand meines Kinderzimmers gemalt, und da wurden sie plötzlich lebendig."

Die dramatische Geschichte, die sich rund um Onkel Toby, Dralle und Jonny entwickelt, ist nicht schlecht, aber dieser Einstiegssatz hat eine Kraft, über die ich (noch heute) richtig staune. Die Bestnote habe ich für den Aufsatz trotzdem nicht bekommen (nur ein "Gut"). "Sehr gut" und ein schriftliches Lob erteilte mir die strenge, blond ondulierte Lehrerin Frau H. nur für die Schilderung eines Streits mit meiner Schwester K., die - soweit ich mich erinnern kann (K., was meinst Du?) - einfach wahrheitsgetreu ist. Zumindest die Narbe im Gesicht habe ich noch ...

Moral von der Geschicht': Manches aus der Vergangenheit will man sich mitnehmen, manches kann man wegschmeißen und damit hat sich's, anderes bleibt, ob man will oder nicht. Und sehr vieles, auch wenn man es schon längst vergessen hat, steckt immer noch in einem drin.
 
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Mittwoch, 21. Januar 2009
Dünner als die Zeit
Der Sog des historischen Augenblicks hat mich heute ins Badeschiff geführt. Obama-Inauguration-Party, "neue Ära, ein bisschen Personenkult (Stempel mit Obama-Portrait fürs Handgelenk), sehr viel Gemeinschaftsgefühl.

Anyways. Auf diese Party bin ich mit Freundin J. gegangen. Vorher haben wir uns in der Urania getroffen, und sie war zu spät. Ich also schnappe mir das nächstbeste Blatt mit der interessantesten Headline. Und was war's?

Die Furche. Ich werde "Die Furche" jetzt beobachten. Irgendwie habe ich sie als Variante auf's Kirchenblatt abgespeichert, aber vielleicht zu Unrecht. So zu spät kam J. nicht, es reichte gerade für zwei Artikel, die ich überraschend liberal und auf den Punkt fand. Noch ein Argument für die Furche: Sie ist sehr viel dünner als die Zeit. Kann man sogar in Wochen wie der letzten schaffen ... Wie gesagt: Beobachtung. Und vielleicht halte ich Euch auf dem Laufenden.
 
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Montag, 19. Januar 2009
Nachmittagsvorstellung
Young@Heart ist ein ganz wunderbarer Dokumentarfilm über einen Chor mit Mitgliedern, die allesamt die 70 längst überschritten haben. Klingt nicht heiß, aber der Film jagt einem Schauer über den Rücken. Kalte wie heiße, Lachen neben Tränen. Die schlechte Nachricht ist, dass dieser Film im Gartenbau-Kino nur noch um 17.00 Uhr gezeigt wird. Die gute Nachricht gilt nur für über 70-Jährige: Die kommen gratis rein.
 
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Donnerstag, 8. Januar 2009
Ganz besonders lustig.
Wem "Son's Boyfriend" von Harry Enfield gefällt:


der findet auch "Son's Boyfriend 2" komisch:


Bei den related Videos gibt es natürlich noch jede Menge von Harry Enfield, z. B. "Women, know your limits", das mir ursprünglich empfohlen wurde ...
 
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Dienstag, 6. Januar 2009
Schön behängt
Sehr hübsches Fundstück im Haus eines Freundes. Wohlgemerkt nicht aus dem Nacht-, sondern aus Naschkastel.


 
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Freitag, 2. Januar 2009
Lesen, fühlen, reden
Gerade lese ich (in Peter Cameron: Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist; Knaus 2008) einen Absatz, der mich sehr anspricht:
"Dr. Adler (Anm. die Psychiaterin des Protagonisten) hatte mich angewiesen, immer zu sagen, was ich gerade dachte, ganz gleich, was es war, aber das war schwierig für mich, denn der Akt des Denkens und der Akt, diesen Gedanken auszusprechen, liefen bei mir nicht gleichzeitig ab, ja, nicht einmal notwendigerweise unmittelbar hintereinander. Ich wusste zwar, dass ich in derselben Sprache dachte und redete und dass es rein theoretisch keinen Grund gab, weshalb ich meine Gedanken nicht aussprechen konnte, sobald sie mir in den Sinn kamen, oder kurz danach, doch die Sprache, in der ich dachte, und die Sprache, in der ich redete, erschienen mir, obwohl beides auf Englisch geschah, häufig durch eine Kluft voneinander getrennt, die nicht im gleichen Moment, ja, nicht einmal im Nachhinein überwunden werden konnte."

Ich kenne das. Und es freut mich sehr, wenn ich in einem Buch von jemandem lese, der etwas ganz gleich empfindet wie ich, auch wenn es nur ein fiktionaler Romanheld ist. Das verschafft mir ein angenehmes Gefühl von Zugehörigkeit.

Was habe ich sonst gelesen? Heute Auszüge aus dem Tagebuch meiner Urgroßmutter. Das kann ich nicht weiterempfehlen, da es erstens nicht verlegt wurde und daher ja gar nicht erhältlich ist, und zweitens streckenweise sehr traurig. Eigentlich könnte man daraus ein Drehbuch schreiben. Genauso wie schon aus der Geschichte meines Urururgroßvaters und seiner Frau. Ein interessanter Stoff, aus dem Träume sind; was fehlt, ist nur meine Selbstdisziplin.

Noch vor dem Jahreswechsel habe ich Patrick McGrath: Port Mungo gelesen. Die Geschichte eines Malers aus der Perspektive der von ihm emotional völlig abhängigen Schwester. Es war recht gut, wird aber nicht das Buch des Jahres 2008, das ist nämlich - da sind sich "Carla Prunk" und ich völlig einig - Amy Bloom: Away. Für mich besonders ergreifend: Die Beschreibung, wie die Heldin, von irrer Hoffnung getrieben, durch Eiswüsten wandert, zäh, sich dann die Hoffnung überhaupt nicht erfüllt, und das Schicksal eine recht unerwartete Wendung nimmt.

Dazwischen eingestreut habe ich A.J. Jacobs: Die Bibel und ich. Ein interessantes Buch, lehrreich über Judentum und Christentum, witzig geschrieben, aber auch irgendwie vorhersehbar - stilistisch sehr viel von dem, was ich "Creative Writing"-Tricks nenne, drin. Irgendwann mal, so nach etwa zwei Drittel, war mir nach einer Pause. Um dieses Buch herum gibt es immerhin eine richtiggehend romantische Geschichte. An sich schenken sich meine Schwestern und ich zu Weihnachten seit Jahren nichts. Heuer haben wir eine Ausnahme gemacht, auch weil erstmals mein Schwager S. dabei war (Weihnachten überhaupt eine Premiere für ihn). Und siehe da: Das Buch - eben "Die Bibel und ich" -, das ich mir selbst als Weihnachtsgeschenk einige Tage zuvor gekauft habe, hatte meine Schwester S. als Geschenk für mich vorgesehen, weil ich es einmal im Oktober erwähnt hatte. Das hat mich sehr gerührt: Wenn jemand so treffsicher ein Geschenk aussucht, wärmt es mir das Herz. Denn Geschenke machen, ist wie über ein Minenfeld gehen ... Aber das ist ein anderes Kapitel ...
 
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das is abba auch unta jeda sau
das einzigste tier was nach 8 ausschläft is das zitterwolf weil schon widda besoffen ansonsten fänkt der frühe vogel den wurm und hat zitterwölfen beispiel zu geben müssichgang fänkt nu ma mit hämmern an ...
by C.d.zitterwolf @ 14.05.12 20:57
Unanständig, aber erlaubt
Um 7.15 Uhr weckt mich ein lautes Hämmern, 43 Minuten vor meinem Wecker. 30 Sekunden dauert das Hämmern an, dann arbeiten die Bauarbeiter an den meisten Tagen mehr oder weniger unhörbar weiter. Seit Jänner machen sie es fast täglich so. Was soll das heißen? "Wenigstens fangen wir pünktlich an?" oder... ...
by Goldchen @ 14.05.12 20:09
Danke Zitterwolf
Danke für den Link und den Kommentar, so wusste ich das noch nicht. Heute ist im "Standard" ein Kommentar, der mir aus dem Herzen spricht: Gerhard Zeillinger: Befreit den Heldenplatz endlich von diesem Spuk! ...
by Goldchen @ 11.05.12 10:10
ja und selbst diese minderheiten
die verbissen für ein überlebensfähiges österreich kämpften wie ludwig von mises schrieben: „Es kann nicht geleugnet werden, daß der Faszismus und alle ähnlichen Diktaturbestrebungen voll von den besten Absichten sind und daß ihr Eingreifen für den Augenblick die europäische Gesittung gerettet hat." von mises war alles andere als ein nationalsozialist auf welch... ...
by C.d.zitterwolf @ 10.05.12 07:54
Minderheiten
Ja. In vielen Fragen - nicht nur zur Überlebensfähigkeit Österreichs - gab's leider nur Minderheiten. ...
by Goldchen @ 09.05.12 16:59
Linzer Parteiprogramm der Sozialisten von 1926
fett und dick überschrieben mit: Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs " VI - 4. Die Sozialdemokratie betrachtet den Anschluß Deutschösterreichs an das Deutsche Reich als notwendigen Abschluß der nationalen Resolutionen von 1918. Sie erstrebt mit friedlichen Mitteln den Anschluß an die Deutsche Republik. www.marxists.org der anschluss war parteiübergreifend konsens und als dann noch ein österreicher den... ...
by C.d.zitterwolf @ 09.05.12 10:47
Bundeshymne am 8. Mai
Heute habe ich zum ersten Mal bei einem Anlass die österreichische Bundeshymne gesungen. Es war ein Gottesdienst in Erinnerung an Österreichs Befreiung am 8. Mai 1945 im Stephansdom, eine Messe der katholischen Studentenverbindungen. Das wusste ich erst, als ich schon im Dom war. Und sofort, nachdem ich den Ersten in... ...
by Goldchen @ 08.05.12 22:45
...
Ich habe das Plakat kürzlich auf der Heiligenstädter Lände gesehen (wahrscheinlich eine der wenigen Nicht-Jüdinnen, die den Text überhaupt lesen und verstehen können) und fand's außer unsympathisch nur missverständlich. Eine Provokation gegen Antisemitismus, sagt Walther Salvenmoser, der sich das Plakat ausgedacht hat. An wen soll sich die Provokation richten? An... ...
by Goldchen @ 20.07.11 11:56
Das Geschäft mit der Angst
Ohne meinen fast bodenlangen Wintermantel, Daune, fast so teuer wie ein Nerz, könnte ich die eisigen Temperaturen, die mir seit Wochen das Rauchen auf der Straße verleiden, gar nicht aushalten. Den breiten Kragen zieh ich mir hoch bis über die Ohren. Und leider hinterlässt das feine Gesichtspuder, das den Teint... ...
by Goldchen @ 10.02.10 17:04
Fusion
In der Ausstellung Gender Check im MuMok habe ich kürzlich dieses Video entdeckt. Ein tolles Fusion-Stück aus Bosnien.  ...
by Goldchen @ 07.02.10 11:06


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